Ausgewogenen Bebauungsplan?

Leserbrief zu: “Baugebiet schrumpft ein wenig”, Kölner Stadt-Anzeiger vom 19.05.2017

“Wenn niemand zufrieden ist, dann handelt es sich um einen ausgewogenen Bebauungsplan” lautet das Fazit des Bürgermeisters Dirk Breuer.

Sind wirklich alle unzufrieden? Nein! Stadt und Politik dürften sehr zufrieden sein, könnten sie doch mit dem ALDI im Baugebiet einen bereits verlorenen Prozess gegen ALDI mit möglichen Schadenersatzforderungen aus dem Weg gehen. Und auch der Investor dürfte mit der Größe des Baugebiets, die über die im Flächennutzungsplan vorgesehen Fläche hinaus geht, sehr zu frieden sein.

Da nicht alle unzufrieden sind, kann der Bebauungsplan nach der Logik des Bürgermeisters auch nicht ausgewogen sein. Und das ist er auch nicht!

Auch die Aussage Anregungen der Bürger seien eingearbeitet worden, erscheint zweifelhaft. Eine Verdopplung des Verkehrs durch den ALDI trägt jedenfalls den Befürchtungen der Bürger vor einem Verkehrskollaps keine Rechnung. Und wer täglich im Stau von und nach Köln steht, wundert sich über das Verkehrsgutachten. Die Ansiedlung des ALDI wird kleinere Geschäfte wie Bäcker, Cafe, etc. im Baugebiet verhindern. Bürgern, die bei Starkregen Wasser im Keller hatten, ist nur schwer zu vermitteln, dass die Kanäle auch nach Anschluss des neuen Baugebiet ausreichend sein sollen.

Fazit: Der Bebauungsplan ist unausgewogen. Möglicherweise hat auch die Zeit nach der überraschenden Änderung mit dem ALDI für einen ausgewogenen Plan gefehlt.

Wie könnte ein ausgewogener Bebauungsplan aussehen?

  • Das Baugebiet auf der im Flächennutzungsplan vorgesehenen Größe belassen.

  • Ausbau und Integration des im Flächennutzungsplan vorgesehenen Grünstreifen zum geplanten Grünzug. Nur ein Grünzug süd-östlich der K2 schützt Bewohner vor Abgasen, Lärm und Feinstaub.

  • Anregungen der Bürger berücksichtigen und z.B. statt großer Bauten kleinere Häuser mit vier bis acht Eigentumswohnungen zuzulassen. Diese passen besser zur Umlandbebauung und ermöglichen auch weniger Reichen Eigentum.

  • Befürchtungen der Bürger ernst nehmen und z.B. den Bürger, die Überschwemmungen befürchten, mindestens die Sicherheit geben, dass ein doch später notwendiger Ausbau des Kanalnetzes nicht zu ihren Lasten geht.

  • Die Stadt sollte eine maximal mögliche Zahl der Wohnungen nennen, die dann solide Basis aller Gutachten wird.

  • Den Kinderspielplatz Pastor-Giesen-Straße an seinem jetzigen Platz zu belassen.

Sofern die Ansiedlung des ALDI unumgänglich ist, um Schaden von der Stadt Hürth abzuwenden, sollte dieser am Kreisverkehr nord-westlich der K2 angesiedelt werden. Hier würde niemand durch den ALDI gestört. Zusätzlich wären ALDI- und KITA-Verkehr getrennt, was die Sicherheit der Kinder deutlich erhöhen würde. Möglicherweise könnte dann auch auf die zweite Zufahrt verzichtet werden, was der Funktionsfähigkeit der K2 als Umgehungsstraße zugute käme.

Mir ist bewußt, dass dieser Leserbrief sehr lang ist. Aber das Thema ist komplex. Ich habe schon soviel gekürzt wie es ging. Mit dem Vorschlag für einen ausgewogenen Bebauungsplan möchte ich dem Eindruck entgegen wirken, die Anwohner seinen gegen alles. Nein, die Anwohner haben sich immer wieder um konstruktive Kritik bemüht, diese wurde aber größtenteils ignoriert.